… auf Kosten deines Nächsten …

October 4th, 2008

Gestern Abend im Schweizer Fernsehen in der Arena wieder einmal wundervoll das Abzockermodell  vorgeführt erhalten. Natürlich haben sich praktisch alle furchtbar aufgeregt.

Mir kam der Gedanke, diese Abzockermasche sei nicht nur in unserem Wertesystem verankert und als Cavalierdelikt heimlich bewundert. Mehr, es gehört kulturell, sozusagen unbewusst als Archetyp, zum Wurzelsystem unseres Verhaltens.


Es ist ein Modell, das zwar vordergründig von Gutmenschen verschrien und in der Sonntagspredigt verurteilt wird, doch es ist damit wie mit der Prostitution: es braucht nur niemand etwas davon zu wissen, dann läuft der Rest von selbst.

Unser Verhalten im öffentlicher Netzwerk braucht Gesetze, der Mensch als Akteur Regeln, das kollektive Handeln Transparenz. Nur wenn diese Transparenz spielt, lassen sich die Interessen der Allgemeinheit genügend kontrollieren.

Der politischen Rechte ist solche Transparenz verhasst, genauer gesagt all jenen, die aristokratisches Verhalten (meint, vertikale Wertesysteme) heimlich bewundern und – so bald es geht – nachahmen. Solche Leute schreien immer wieder gegen Linke, Sozialisten, die alles nivellieren wollen und schöpferischem Unternehmertum nur schaden würden. So lange, bis die Rechte selber nach Eingriff des Staates ruft, in Form von Kapitalspritzen, wenn wieder mal eine Bank oder eine Swissair zusammenkracht.

Gerade heute heisst eine Schlagzeilen in den Medien: Wallstreet wird sozialisiert. Anderswo heisst es: Wallstreet hat dem Kapitalismus mehr geschadet als irgeneine Linkengruppe je zustande gebracht hätte.

Und zwischen Linken und Rechten kann der Streit endlos weiterlaufen, wenn wir uns nur um Wertvorstellungen kümmern.

Letztendlich geht es um die Frage, die einzige, die ich bis jetzt aus allen Wertesystemen herauskristallisieren konnte:

BIST DU BEREIT, DICH AUF KOSTEN / ZUM SCHADEN DEINES MITMENSCHEN ZU BEREICHERN?

Die Frage nach Regeln, Gesetzen, Transparenz und all der Staatsapparat/Kram/Freiheitsbeschränkung wäre überflüssig, würden wir dieses eine Gesetz beachten: sich nie auf Kosten/zum Schaden eines Mitmenschen /der Gemeinschaft zu bereichern.

Dieses eine Gesetz liegt derart diametral zum immer noch geltenden Sozialdarwinismus, dass man eigentlich nur in der Sonntagspredigt darüber schreiben sollte.

Und so lange der Sozialdarwinismus als heimliche Bibel dem Volk gegenüber als Rechtfertigung verteidigt wird, als Entschuldigung für die gängigen Ausrutscher des Handelns, wird sich gar nichts ändern.

Rein gar nichts.

Wie können wir diesen Sumpf trocken legen? Mir scheint, Old-Boys-Netzwerke spielen hier die gleiche Rolle, wie Pakistans Grenze zu Afghanistan für die Gotteskrieger.

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