Gunther von Hagens Zürcher Leichenschau

September 2nd, 2009

Die Elite rümpft wieder einmal die Nase, wie schon damals, bei von Hagens Basler Ausstellung. Schon damals redete sie von Schändung des verstorbenen Individuums, ein älterer Professor wagte sogar wortwörtlich die Behauptung, wir, die Nicht-Ärzte, das gewöhnliche Volk, würden diese Verstorbenen ja nur als Gaffer beleidigen. 

Ich kochte heimlich vor Wut und hätte ihm sofort eine Ohrfeige knallen mögen vor so viel Frechheit, uns Nicht-Ärzte als ‘nur Gaffer’ zu betitteln.

Ich sah und erlebte die damalige Basler Ausstellung ganz anders:

Schon damals war ich tief berührt, wie diese verstorbenen Menschen mir erlaubten, ihnen so nahe kommen zu dürfen. Ja, da wird eine Nähe bewusst, welche im normalen Leben nie zugelassen wird, die wir effektiv nicht mehr gewohnt sind. So viel Nähe zu spüren ist etwas sehr Intimes. Ich kann verstehen, dass Menschen mit einer starken Spaltung zwischen Kopf und Körper so ein starkes Gefühl von Nähe nicht ertragen. Aber das macht uns andere nicht zu Gaffern.

Denn gerade durch diese Intimität wurde in mir ein starkes Gefühl wach, das ich nur als Empathie betitteln kann. Ich wusste sofort, und fühle es jedesmal neu, wenn in der Presse solch ein Bild gezeigt wird: dieser tote Mensch schenkt mir, weil ich ihn betrachten darf, ein tiefes Gefühl, das zu mir selber führt. Ich begaffe nicht einen Fremden, ich fühle mich selber durch ihn hindurch: ja, so bin ich, so bin ich zusammengesetzt in meinem Innern … was ich da betrachten darf, ist ein Teil von mir selber …

… jedesmal fühle ich dann etwas, das als religiös bezeichnet werden könnte, wäre ich denn religiös. Aber das will ich gar nicht werden. Nie empfinde ich so stark eine Verbindung zwischen meiner kognitiven Seite und dem Leben, wie durch diese Plastinate.

Dass dann diese ganze arrogante Journaille nur dreckig daher redet, so wie Männer oft über Sex reden, mit der gleichen Empörung und Heuchelei, ist einfach nur noch bedauerlich.

Aber verklemmte Intimität und blöde Sprüche über Körpernähe und Sex sollen ja zusammen gehören.

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